KfW 432 für die Sennestadt – Das erste Jahr nach dem Konzept

Vor gut einem Jahr haben wir das integrierte Konzept zur Energetischen Stadtsanierung der Sennestadt im KfW-Programm 432 abgegeben. Der Umsetzungsprozess läuft, und es ist Zeit eine erste Bilanz zu ziehen.

Zunächst ist festzustellen: Die Sennestadt lässt uns nicht los. Einen großen Dank an alle, die seinerzeit engagiert, verbindlich und zuverlässig an einem wirklich guten Ergebnis mitgewirkt haben und seither mit großem Elan an der Umsetzung des Konzepts arbeiten. Ganz besonderen Dank an die Sennestadt GmbH, die Stadtwerke Bielefeld und die Bezirksvertretung Sennestadt für das große Vertrauen und an den Sanierungsmanager Thorsten Försterling für seinen persönlichen Einsatz im Sinne des Konzepts.
Schon mit dem Förderantrag an die KfW-Bankengruppe haben die Kooperationspartner Stadt Bielefeld, Sennestadt GmbH und Stadtwerke Bielefeld GmbH die begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten des Stadtumbaugebiets Sennestadt thematisiert. Es war daher im Konzept sehr wichtig, die Mechanismen des Immobilienmarkts darzustellen und auch die Auswirkungen der demografischen Situation in der Sennestadt zu verdeutlichen. Allein auf Dämmstandards und einfache Maßnahmenformeln zu setzen, hätte hier das Thema verfehlt.
Das Ergebnis des Konzepts ist entsprechend interdisziplinär geprägt und stellt das Sanierungsmanagement vor eine Aufgabe, die letztendlich nur im Team zu bewältigen ist.

Das Quartier der Nachkriegsmoderne braucht eine neue Energieversorgungsstrategie

Mit den Potenzialen der Gebäudedämmung allein sind die Klimaschutzziele nicht zu erreichen. Bereits zum Jahresbeginn 2014 konnte mit Förderung des Landes NRW ein umfassendes Konzept zur Gründung einer quartierbezogenen Bürgernetzgesellschaft auf der Grundlage von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) erarbeitet werden. Dieses Konzept „Ein Stadtteilnetz für die Sennestadt“ bietet nun die strategische Grundlage für mehr KWK in der Sennestadt. Der notwendige Dialog mit den Wohnungsunternehmen und Eigentümergemeinschaften ist erfolgreich aufgenommen. Das Umweltamt der Stadt Bielefeld hat sich diesen Prozess besonders angenommen. Die Grundlagen hat das Konzept zur Energetischen Stadtsanierung gelegt.

Immobilienwertentwicklung in schrumpfenden Quartieren hemmt Sanierungsaktivitäten

Weiter hatten wir dringend empfohlen die Immobilienbewertung neu zu qualifizieren, weil unter den gegeben Bedingungen kein Werterhalt bei sanierten Immobilien zu erwarten ist. Das Konzept beschreibt ein Leitprojekt für die wohnwertorientierte Immobilienbewertung auf Quartiersebene. Statt allein den erzielten Preis in der Nachbarschaft zu berücksichtigen müssen sich Stadtumbau, Wohnumfeldverbesserung, Energieversorgung und Quartiersorganisation in Bewertungsindikatoren wiederfinden. Dazu wurde mit den Akteuren der Immobilienwirtschaft ein eigenes Projekt „Vom Sachwert zum Wohnwert“ gestartet, das in den nächsten Jahren das System der Immobilienbewertung neu aufstellen wird.

Die städtebauliche Eigenart der Sennestadt sichern und fortentwickeln

Die einzigartige städtebauliche Struktur der Sennestadt hat als Sinnbild für die organische Stadtlandschaft der Nachkriegsmoderne einen hohen Zeugniswert, den es gilt dauerhaft zu schützen und gezielt fortzuentwickeln. Diese Eigenart und die Idee der sozialen Mischung in der organischen Stadtlandschaft gründen auf der städtebaulichen Ablesbarkeit von Hausgruppen. Sanierungsaktivitäten müssen sich daher auf Hausgruppen und auf Gebäude mit besonderer städtebaulicher Relevanz konzentrieren. Die Diskussion um den baukulturellen Wert der Nachkriegsmoderne wurde und wird nicht konfliktfrei geführt. Das besondere Engagement der Sennestadt GmbH, des Sanierungsmanagers und des Sennestadtvereins lässt die Hoffnung zu, dass es für die Sennestadt eine konstruktive Auseinandersetzung mit städtebaulicher Denkmalpflege geben wird. Wir halten das für wichtig und unerlässlich.

Transparenz der Verfahren und Beratung mit Gesicht vor Ort

Mit Blick auf eine zukunftsfähige Verfahrenskultur bei der Sanierung haben wir der Sennestadt geraten, ein eigenes, unabhängiges und langfristiges Beratungs- und Serviceteam inklusive ausgewählter Architekten als praktische Anlaufstelle für Bürger im Quartier zu etablieren. Mit dem Sennestadtpavillon ist ein zentraler Ort vorhanden und etabliert. Die Zusammenarbeit zwischen Sanierungsmanager und den Beratungsstellen der Stadt Bielefeld funktioniert bereits sehr gut. Es gilt in jedem Fall zu vermeiden, dass ein undurchsichtiges Geflecht von Beratungsangeboten nebeneinander und gegeneinander arbeitet. Auch wenn das Rollenverständnis im Stadtumbau noch vergleichsweise träge ausfällt, zeigt sich eine zentrale Koordination der Projekte vor Ort durch die Sennestadt GmbH zunehmend als Erfolgsfaktor.

Die Kraft der kommunalen Unternehmen gezielt nutzen

Für die Sennestadt sind die wirtschaftlichen und rechtlichen Handlungsmöglichkeiten der mitwirkenden kommunalen Gesellschaften Sennestadt GmbH und Stadtwerke Bielefeld GmbH besonders wertvoll. Sie haben immense Bedeutung für jede Form von Innovation und Kontinuität. Die positive Zusammenarbeit der kommunalen Unternehmen bei der Erarbeitung des integrierten Konzepts zur Energetischen Stadtsanierung ist politisch und auch in der Bevölkerung als Teil der Strategie „Reichow für das 21. Jahrhundert“ deutlich wahrgenommen worden. Die gelebte Fortsetzung dieser Kooperation für die KWK-Strategie und die Verstetigung des Projektmanagementteams ist ein wichtiger Erfolg von KfW 432. Das hat uns sehr gefreut und es ist zudem mit der Gesamtheit der laufenden und angeschobenen Projekte gelungen die Sennestadt auch auf Landesebene wahrnehmbar zu positionieren. Das integrierte Konzept zur Energetischen Stadtsanierung bildet die zentrale Grundlage zur Anmeldung der Sennestadt als Projekt der KlimaExpo NRW.

Die Arbeit ist noch nicht getan

Der Sanierungsmanager hat nach dem ersten Jahr eine großartige Basisarbeit geleistet. Es liegt jedoch leider in der Natur derartiger Aufgaben, dass die Ergebnisse in der Breite kaum wahrgenommen werden. Die Öffentlichkeit ist es gewohnt Zahlen zu bekommen: „Acht Gebäude saniert, 23,7% CO2 eingespart“.  Diese Zahlen spielen jedoch für die gesellschaftliche Dimension der Energetischen Stadtsanierung keine wirkliche Rolle. Letztendlich werden die zahlreichen Hauseigentümer, die Eigentümergemeinschaften und Wohnungsbauunternehmen mit ihren individuellen Investitionen zeigen, ob es mit dem Konzept gelungen ist, nachhaltig spürbare Leitplanken für die zukünftige Qualität von Wohnraum, die Gestalt des Stadtraums, aber auch für die Klimabilanzen zu setzen. Das ist keine Frage der Zahlen allein, sondern eine Frage des Vertrauens der Bürger in ihre Stadt und deren nachhaltige Entwicklung. Die Energiewende in Kommunen sollte sich an strategische Zeiträume der Stadtentwicklung gewöhnen. Hier liegen eher langfristige Aufgaben, die aktuell für sehr kurze zwei Jahre in die Hände des Sanierungsmanagers gelegt sind. Wir hoffen Ihm Werkzeuge an die Hand gegeben zu haben, die Investoren überzeugen an die Sennestadt zu glauben, Projekte anschieben helfen und insbesondere dazu beitragen den begonnenen Prozess zu verstetigen. Wir wünschen dem Sanierungsmanagement Thorsten Försterling von Alberts Architekten und Heike Böhmer vom Institut für Bauforschung sowie deren Auftraggeber Sennestadt GmbH für ihre Arbeit, die wir ihnen eingebrockt haben maximale Erfolge für das zweite Jahr.