Der Schritt vom Eigenheim zu „Haus in der Gruppe“

Der deutsche Fertigbau hat durch serielles Bauen über Jahrzehnte das Eigenheim für breite Schichten der Bevölkerung möglich gemacht. Mit der Qualitätsinitiative BDF-URBAN geht die Branche nun einen neuen Weg. Am 11.06.2026 war Premiere zur Real Estate Arena in Hannover. Damit ging auch für uns ein langjähriges „Inkognito-Projekt“ erstmals an die Öffentlichkeit.

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Broschüre „Haus in der Gruppe“ Bundesverband Deutscher Fertigbau. Konzeption Jung Stadtkonzepte, Design: Bodo Wirtz, Visualisierungen Render-Haven.

Der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) vertritt über 50 Unternehmen des holzbasierten Fertigbaus in Deutschland. Weit über 90% des Umsatzes macht die Branche mit Eigenheimen. Allerdings steigt der Anteil an Objektbauten und Mehrfamilienhäusern stetig. Mit Architektur, Städtebau oder gar Landschaftsarchitektur wird die Branche bisher wenig verbunden.

2016 konnten zwei BDF-Fertigbauunternehmen unser Konzeptvergabeverfahren für das Schillinggelände in Sennestadt für sich entscheiden. Im Verfahren war die Zusammenarbeit mit Architekten verbindlich vorgeschrieben. Überzeugen konnten die Fertigbauunternehmen in der Gesamtbewertung mit der Art der Zertifizierung über die Qualitätsgemeinschaft Deutscher Fertigbau (QDF) und dem verbindlichen Bau- und Vertriebsprozess, der die nötige Qualitätssicherung der Klimaschutzsiedlung erheblich erleichterte. Es ist über die Zusammenarbeit in Sennestadt ein spannender Dialog mit dem Bundesverband entstanden, der im Verlauf zum Entwicklungsprozess für urbanen Fertigbau geführt hat. Seit 2022 beraten wir den Bundesverband Deutscher Fertigbau im Hintergrund unter „Jung Stadtkonzepte Inkognito“.

Qualitätsinitiative BDF-URBAN wurde 2023 in Sennestadt gegründet

Erster Meilenstein der Qualitätsinitiative, der sich nach einem verbandsinternen Aufruf 18 Unternehmen im BDF angeschlossen hatten, war die Gründungsveranstaltung BDF-URBAN am 24. Novemver 2023 in Sennestadt. Hier war mit der Entwicklung des Schillinggeländes die Idee geboren und die mitwirkenden Unternehmen haben sich im frisch sanierten historischen Sennestadtpavillon von Bernhard Reichow und Fritz Eggeling zu sieben Prinzipien des urbanen Fertigbaus verständigt und bekannt.

Der gemeinsame Prozess war ein voneinander Lernen, ein engagiertes Diskutieren sowie ein laufendes Priorisieren und Verdichten. Selbstredend geht es den Unternehmen primär darum, Häuser zu bauen und diese Häuser brauchen Flächen. Die Branche ist es gewohnt als Auftragnehmer eines Bauherrn oder Entwicklers zu bauen. Technische Qualitäten hat man seit fast 40 Jahren über die Qualitätsgemeinschaft Deutscher Fertigbau (QDF) auf hohem Niveau sehr erfolgreich kultiviert und zertifiziert. Einige Unternehmen stellen sich selbst als Entwickler auf oder planen Flächenentwicklung zunehmend selbst in die Hand zu nehmen. Selbstverständnis und Innovation gehen jedoch weitgehend vom Gebäude aus und sind eher technisch geprägt.

Den Blickwinkel um städtebauliche Belange erweitern

Mit „BDF-Urban“ ging es darum, die Auseinandersetzung um die Flächenentwicklung mit Qualitäten eines nachhaltigen Städtebaus zu verknüpfen und statt den Fokus alleine auf potenzielle Bauherren zu legen, eine neue Rolle als Partner der Kommunen zu finden . „Haus in der Gruppe“ ist nun ein weiterer Meilenstein dieses Prozesses, der alle Mitgliedsunternehmen des Verbandes mit breiter Zustimmung überzeugen konnte. Es ist ein Gedankenschritt vom Eigenheim auf dem Grundstück zum Ensemble mit (halb)öffenlichem Raum.

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„Haus in der Gruppe“ Konzeption Jung Stadtkonzepte, Visualisierung Render-Haven, Köln

In der Analyse ergab sich, dass der erste Schritt eine überschaubare Größenordnung braucht, die den überwiegend mittelständischen, inhabergeführten Unternehmen eigene Projektentwicklungen ermöglicht. Es sollte zudem eine Skalierbarkeit für größere Aufgaben gegeben sein, die im Zusammenschluss gemeinschaftlich unter einem Label BDF-URBAN angegeangen werden.

Qualitätsphilosophie wird vom Gebäude in den Städtebau erweitert – vom Haus zum Ort

Der deutsche Fertigbau hat mit „Haus in der Gruppe“ seine Qualitätsphilosophie vom zertifizierten Gebäude auf ein Gebäudeensemble erweitert. Auf der Grundlage der sieben Prinzipien werden serielle Stadtbausteine durch die Erweiterung um Standards für Grundstücke, Erschließung, Infrastruktur, Lagemerkmalen, Freiräume und Verfahren. Damit wird eine Qualitätsgemeinschaft für den seriellen Umgang mit Orten geschaffen.

Die richtige Größe für den Bauturbo

Haus in der Gruppe wird sich zunächst auf Flächen von 0,4 bis maximal 4 Hektar und auf die Gebäudeklassen I bis III konzentrieren. Die Flächengrößen entsprechen den häufigsten Alltagsaufgaben in der Kommunen und in den Quartieren der Innenentwicklung: Arrondierung, Nachverdichtung, kleinteilige Flächenkonversion. Es sind die Flächen, die in den Kommunen meist von lokalen Bauträgern, oder privaten Eigentümern entwickelt werden und im Maßstab gut zum Trend um den sogenannten Bauturbo passen. Im Mittelpunkt stehen die Qualitäten und die Erfüllung von Nachhaltigkeitskriterien. Effizienz und Geschwindigkeit kommt über das Serielle. Hier sind die Unternehmen des deutschen Fertigbaus gut aufgestellt und auch voller Innovationskraft.

Zielgruppe kommunale und gemeinnützige Entwickler

Haus in der Gruppe richtet sich an Kommunen, kommunale Unternehmen oder gemeinnützige Entwickler, die trotz Turbo eine hohe Energie und Ressourceneffizienz zusammen mit städtebaulichen Lösungen sehen möchten, sowie eine verlässliche Erfüllung ihrer Klimaschutz,- und Nachhaltigkeitsziele erwarten. Die Qualitätsgemeinschft Deutscher Fertigbau QDF erweitert damit ihre Qualitätssicherungsversprechen perspektivisch um städtebauliche Belange.

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Der Weg im Selbstverständnis vom Bauplatz für das Eigenheim zu „Haus in der Gruppe“. Grafik: Jung Stadtkonzepte

Flächen mit gemeinschaftlicher Nutzung sind der Schlüssel

Die Strategie setzt auf mehr Anteile an Gemeinschaftsflächen am Bruttobauland, auf mehr Effizienz im Umgang mit ruhendem Verkehr sowie auf leistungsfähige Grünflächen für Niederschlagswasser und Klimafolgenanpassung. Das konnte in Sennestadt mit den Wohnhöfen und den gemeinschaftlichen Grünflächen bereits planerisch umgesetzt werden. Die Erfahrung ist da und es geht allein um Weiterentwicklung. Gemeinschaftlich nutzbarer halböffentlicher Raum ist der Schlüssel zu wiedererkennbaren Qualitäten und Adressbildung trotz Dichte und kleiner Grundstücke.

Das Projekt geht weiter

In Hannover ging der Bundesverband Deutscher Fertigbau nun erstmalig mit BDF-URBAN an die Öffentlichkeit. Die Broschüre „Haus in der Gruppe“ mit Design von Bodo Wirtz und den Visualisierungen von Render-Haven unterstützt den Vertrieb. Ab Juli begleite ich einen Qualifizierungsprozess für Unternehmen über die Fertigbauakademie und im Herbst soll sich BDF-URBAN für den Dalog mit Kommunen, Architekten, Stadtplanern und Landschaftsarchitekten öffnen.